VEB Fortschritt Erntemaschinen, Neustadt in Sachsen

In den Betriebsstätten in Neustadt/Sachsen, die seit 1939 Bestandteil der Hering AG Nürnberg war, wurden während der Kriegsjahre Rüstungsgüter hergestellt. 1946 begann unter Treuhandverwaltung die Produktion von einfachen Landmaschinen und Gebrauchsgegenständen. 1948 entstand der Volkseigene Betrieb Herkules-Landmaschinen-Werke. 1949 erfolgte die Zusammenlegung mit der Landmaschinenfabrik Stolpen (ehemals Firma Carl August Klinger) mit Umbenennung in VEB Fortschritt Landmaschinenwerke.

1951 wurde der Betrieb Bestandteil des neu gegründeten Kombinates Fortschritt Landmaschinen, das seinen Sitz ebenfalls in Neustadt/Sachsen hatte und zu diesem Zeitpunkt aus 5 Betrieben bestand.

Die weitere Entwicklung des Betriebes vollzog sich im Rahmen des Kombinates Fortschritt Landmaschinen, zunächst mit dem Status eines Produktionsbereiches. Die Haupterzeugnisse waren Halmfuttererntemaschinen wie Mähwerke, Heuwerbemaschinen, Sammelpressen und Feldhäcksler sowie Stalldungstreuer. Ab Ende der 1960er Jahre waren die selbstfahrenden Schwadmäher und Feldhäcksler der Schwerpunkt. In den 1980er Jahren kam ein Einachstraktor und Ende der 1980er Jahre Quadergroßballenpressen hinzu.

Unter der Firmenbezeichnung „VEB Fortschritt Erntemaschinen Neustadt“ war der Betrieb ab 1982 als selbständiger Kombinatsbetrieb mit allen Funktionen von der Erzeugnisforschung bis zum Vertrieb ausgestattet und hatte mit seinen Betriebsteilen in Stolpen und Sebnitz etwa 5.000 Beschäftigte. Von 1984 bis 1990 bildete er als Stammbetrieb des Kombinates Fortschritt mit der Kombinatsleitung eine Einheit. Mit Auflösung der Kombinatsleitung 1990 wurde der Betrieb als Fortschritt Erntemaschinen GmbH unter Treuhandverwaltung gestellt. 1994 erfolgte die Übernahme des Unternehmens mit etwa 400 Beschäftigten durch die Bidell-Gruppe, zu der unter anderem auch die Firmen Mengele und Eberhardt gehörten. Das Erzeugnisprogramm wurde in dieser Zeit wesentlich, vor allem in der Halmfuttererntetechnik, erweitert.

1997 erwarb CASE IH die Fortschritt Erntemaschinen GmbH und gründete die CASE Harvesting Systems GmbH mit Sitz in Neustadt/Sachsen. Haupterzeugnisse dieses Unternehmens waren selbstfahrende Feldhäcksler, Quadergroßballenpressen und Mähdrescher. Nach der Fusion von CASE IH und New Holland im Jahr 1999 wurde das Unternehmen 2004 geschlossen. Seit 2006 ist in diesen Betriebsstätten die Firma Capron GmbH mit der Herstellung von Wohnmobilen tätig.

Aus dem Betriebsteil Stolpen, der ehemaligen Firma Carl August Klinger, ist durch Privatisierung 1993 die Maschinenfabrik Stolpen GmbH entstanden, die weiterhin auf dem Gebiet Landtechnik wirksam ist.

Text: Dr. Klaus Krombholz