Raussendorf, Hermann

Im Jahr 1856 gründete Friedrich August Raussendorf in Klein-Boblitz bei Bautzen eine Werkstatt zur Reparatur von Landmaschinen, in der bald auch Häcksel- und Einbaudreschmaschinen gefertigt wurden. Sein Sohn August unterstütze ihn zwei Jahre später mit einer Tischlerei, in der die Holzgestelle für die Einbaudreschmaschinen des Betriebes hergestellt wurden. August Raussendorfs Sohn Hermann übernahm später den gesamten Betrieb und befasste sich intensiv mit der Entwicklung von Strohpressen. 1907 erfand er eine Schmalpresse mit schwingenden Kolben und Fadenhandbindung, die allerdings erst viele Jahre später Anerkennung bekam. Im Jahr 1914 - drei Jahre nach Markteinführung - hatte die Firma bereits 1.000 Strohpressen verkauft.

Der Erste Weltkrieg brachte den Betrieb vollständig zur Erliegen, sodass Hermann Raussendorf 1919 das Unternehmen neu gründete, welches sich nach dem Krieg überwiegend auf Selbstbindepressen konzentrierte. Raussendorf expandierte zu der Zeit stark und siedelte nach Singwitz im sächsischen Landkreis Bautzen um, wo mit 160 Mitarbeitern schon 1928 die 10.000. Strohpresse produziert wurde. 1934 konnte bereits die 25.000. Presse ausgeliefert werden. Neben Strohpressen stellte der Betrieb ab Anfang der 30er Jahre auch Dreschmaschinen her. Besonders beliebt war die „Kombinus“, eine Kombination aus Dreschmaschine und Strohpresse, die 1936 in Frankfurt /Main ausgezeichnet wurde. Während der 30er Jahre war die Firma weiterhin sehr erfolgreich, erhielt eine Auszeichnung für die Leichtkonstruktion einer Presse und kaufte unter anderen die Firma Flöther aus Gassen auf, um der steigenden Produktion gerecht zu werden.

In den Jahren des Zweiten Weltkriegs baute Raussendorf auch weiterhin vorwiegend Landmaschinen und beteiligte sich nur wenig an der Rüstungsproduktion. Trotzdem wurde der Betrieb im Jahr 1946 demontiert. 1947 ging er in den volkseigenen Betrieb „Kombinus Dreschmaschinenbau Singwitz“ über. Somit gehört das Unternehmen zu den Gründungsmitgliedern des Kombinats Fortschritt Landmaschinen mit Sitz in Neustadt in Sachsen.

Hermann Raussendorf ging nach der Umwandlung in den volkseigenen Betrieb in den Westen und arbeitete bis zu seinem Ruhestand bei der Firma Massey-Ferguson in Eschwege. 1955 war ihm von der TH München die Ehrendoktorwürde verliehen worden. Seine Familie gründete eine weitere Landmaschinenfabrik in Vienenburg (siehe Raussendorf, Vienenburg).