Jaehne

Das Unternehmen „C. Jaehne & Sohn“ wurde bereits 1830 als Maschinenfabrik und Eisengießerei in Landsberg (Warthe), heutiges Polen, gegründet. Nach dem Tod des Gründers Carl Jaehne im Jahr 1888 übernahmen die Brüder Gustav und Carl Jaehne das väterliche Unternehmen. Nach dem Tod von Gustav 1896 blieb das Unternehmen dann in den Händen seines Bruders Carl. Der war aber nicht an dem Unternehmen interessiert und so leitete die Witwe seines Bruders, Agnes Jaehne, die Firma. Carl blieb Teileigentümer.

Im Jahr 1903 wurden dann auch Agnes Töchter mit an der Firma beteiligt und das Unternehmen wurde von einer bisherigen offenen Handelsgesellschaft in eine GmbH unter der Firmierung „Maschinenfabrik, Eisengießerei und Kesselschmiede vorm. C. Jaehne & Sohn“ umgewandelt. Ihre Schwiegersöhne Paul Welle, verheiratet mit Tochter Hedwig, und Ingenieur Hans Lehmann, verheiratet mit Tochter Elisabeth, traten in die kaufmännische Leitung ein.

In den Jahren 1906-1910 wurde dann umfangreich in Präzisionswerkzeugmaschinen, elektrisch angetriebene Laufkräne, eine elektrische Licht- und Kraftstation u.Ä. investiert. Damit war der Grundstein für eine moderne, industrielle Produktion von landwirtschaftlichen Maschinen vorwiegend geschaffen.

Ein Zweigwerk in Woldenberg/Neumark, 46km nordöstlich von Landsberg an der Warthe, unterstützte zeitweilig das Stammwerk.

Kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges fertigte die Jaehne-Industrieabteilung ein- und mehrzylindrige Dampfmaschinen mit Nass- und Heißdampftechnik, Holzbearbeitungsmaschinen sowie Brennereimaschinen. Die landwirtschaftliche Abteilung befasste sich mit Dreschmaschinen und Göpelanlagen, Häckselmaschinen und Schrotmühlen, Torfstechmaschinen und Torfpressen sowie mit Dampf- und Motor-Dreschsätzen. 40 Ingenieure, Techniker und Zeichner, 8 Meister und 400-450 Arbeiter standen in Lohn und Brot.

Im Jahr 1921 starb dann der Gründersohn Carl Jaehne, der noch im hohen Alter eine funktionsfähige Drillmaschine entwickelt hatte, und die Geschäftsführung ging an seinen Sohn Otto über, der bis 1945 die Geschicke des Unternehmens leitete.

Ein Großbrand im gleichen Jahr vernichtete wichtige Gebäudeanlagen und Einrichtungen. Der Wiederaufbau und die aufkommende Inflation brachte das Unternehmen dann in Schwierigkeiten. Otto Jaehne ließ daraufhin seine Produkte auf deren Wirtschaftlichkeit überprüfen und stellte die Produktion der nicht rentablen Produkte (Dampfmaschinen und Kessel) ein. Damit traten ab diesem Zeitpunkt Kartoffeldämpfer, Benzin- bzw. Dieselmotoren, Turbinen, Dämpfkolonnen, Rübenschneider und Dreschmaschinen in den Vordergrund.

Die Firma war damit hauptsächlich im Osten des Deutschen Reiches sowie in Polen und Litauen erfolgreich.

Neben mehreren anderen Firmen wie z.B. Fendt oder Kramer, beteiligte sich auch Jaehne in dem Segment der Einzylindermotoren, die in den 20er Jahren für die Landwirtschaft vermarktet wurden. Das Jaehne-Motorenprogramm bestand zu Beginn der 30er Jahre aus langsam laufenden, stehenden und liegenden Einzylindermotoren, die stationär, auf stabilen Handwagen oder auf Schleifen eingesetzt werden konnten. Während der Weltwirtschaftskrise waren die wirtschaftlichen Aussichten für Jaehne dann leider mehr als deprimierend. Jedoch schufen die Ingenieure noch einen Rahmenbauschlepper, der sich durch einen schmalen Rahmen auszeichnete und auf dem der Motor aufgeschraubt und vorne die Pendelachse angebracht waren. Über die genaue Fertigungszahl an Schleppern bis zum Kriegsbeginn ist nicht viel bekannt.

Im Januar 1945 endete die Produktionstätigkeit der Jaehne Maschinenfabrik und Eisengießerei. Bei der Besetzung der Stadt durch russische Truppen brannte das Verwaltungsgebäude aus. Die Maschinen, Werkzeuge, Vorräte und Rohmaterialien wurden in die Sowjetunion verfrachtet. Zunächst etablierte sich eine Auto-Reparaturwerkstatt in der Fabrikanlage, bis dann ein Handelsunternehmen für Landmaschinen dort das passende Areal fand.