Fendt

Die Gebrüder Xaver und Hermann Fendt begannen ihre Traktorproduktion in Marktoberdorf 1930, nachdem Hermann kurz vorher den ersten europäischen Diesel-Kleinschlepper mit 6 PS herstellte, der vorrangig für die Mechanisierung der mittel- und kleinbäuerlichen Betriebe vorgesehen war. Von diesem Traktor, der später auch mit 9 PS- und 12 PS-Motoren ausgestattet wurde, stellte die Firma Fendt bis 1936 bereits 263 handwerklich her und legte den Grundstein für den späteren Erfolg der Fendt-Gruppe.

 

Zwei Jahre später wurde bereits der 1.000ste Fendt-Schlepper verkauft. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verbot die Produktion der Diesel-Traktoren. Daraufhin stellte Fendt vorübergehend, bis 1946, Holzgasschlepper her, um laufende Kosten decken zu können. Nach dem Ende des Krieges expandierte das Unternehmen ungewöhnlich rasch. Technische Systeme (Fendt-Einmann-System) wurde vom DLG ausgezeichnet und konnten sich in großen Stückzahlen in der Landwirtschaft durchsetzen. 50.000 Stück dieses Systems konnte bis 1980 verkauft werden; 100.000 Stück des Fendt-Schlepper gingen schon bis 1961 in den Vertrieb. Zu der Zeit beschäftigte Fendt 4.000 Mitarbeiter in verschiedenen Werken und produzierte überwiegend Traktoren und Geräteträger.

1982 gingen 7700 Fendt-Traktoren in den Export, nach Frankreich, Italien, in die Niederlande, nach Saudi-Arabien, Schweden, Großbritannien und Australien – so viele wie nie zuvor. In dieser Zeit wurden immer feinere Unterschiede der Traktortypen in Serie produziert, um der immer differenzierteren Nachfrage Folge leisten zu können. Infolge dessen stieg Fendt in die Bearbeitung des Wein-, Obst- und Hopfenbau ein. Auch die anderen Sektoren, wie beispielsweise der Caravanbau im Bereich Freizeitaktivität brachten hohe Gewinne. Fendt schaffte es in den 80er Jahren mit einem Marktanteil von 18,4% zur Marktführerschaft im Bereich Schlepper. Weiterentwicklungen der Traktoren für den Obst- und Weinbau und Verbesserungen im PS-Bereich der „normalen“ Traktoren festigten Fendts stabile Position an oberen Ende des Marktes.

In den 1990er Jahren standen große Veränderungen an. Während einer schwierigen Phase in den frühen 90er Jahren, wohl durch Fehlentscheidungen im Management ausgelöst, stand das Unternehmen zur Mitte des Jahrzehnts wieder auf gesunden Füßen, als die Gesellschafter, allesamt Nachfolger der Firmengründer, bekanntgaben, das Unternehmen verkaufen zu wollen. Das amerikanische Unternehmen Massey-Ferguson, das selbst kurz vorher erst an AGCO verkauft worden ist, erwarb 1997 Mehrheitsanteile an Fendt.

Zwar nicht mehr in Familienbesitz, doch nach wie vor noch sehr erfolgreich nimmt Fendt bis heute am Weltmarkt der Traktoren teil und konnte sich durch hohe Innovationskraft und Kreativität zum wichtigsten Segment von AGCO entwickeln.