Badenia Maschinenfabrik

1834 eröffnete der Gelbgießmeister Wilhelm Platz in Weinheim eine kleine Werkstatt für Feuerspritzen und Messingarmaturen. Er trug dazu bei, dass Weinheim an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde, indem er die Räder für die Rollkarren zum Eisenbahnbau herstellte. Der Betrieb gewann schnell an Größe und verbuchte 1880 schon 150 Beschäftigte und fertigte in diesem Jahr 20.000 landwirtschaftliche Maschinen. Im Jahr 1865 übernahmen die erfahrenen Söhne des Gründers das Unternehmen. Sie führten es zu einem der damaligen wichtigsten Landmaschinenproduzenten in Deutschland. Badenia bekam einen eigenen Bahnanschluss und steigerte dadurch den Absatz von Häckselmaschinen immens - 1884 verließen 20.000 Maschinen den Betrieb. Wichtige Entwicklungen der Badenia Maschinenfabrik, wie beispielsweise die Wiesn-Moss-Kettenegge, erhielten Patente. Auch zahlreiche Gold- und Silbermedaillen sowie Ehrenpreise ließen nicht lange auf sich warten. Mit dem Erfolg stieg auch die Nachfrage und das besonders im Ausland, sodass Badenia seine Maschinen inzwischen weltweit bis nach Mexiko und in das damalig noch niederländische Java vertrieb.

Anfang des letzten Jahrhunderts stieg die Mitarbeiterzahl des Betriebs auf über 700. Nebenbei wurde auch das Produktionsvolumen erweitert. So verkaufte Badenia noch vor dem Ersten Weltkrieg 30.000 Maschinen an Landwirte, Lohndresch-Unternehmer und Dreschgenossenschaften, sowie an städtische Elektrizitätswerke, Bauunternehmen, Glashütten, Mühlen und Brauereien. Dementsprechend groß war auch die Produktpalette: Badenia begann mit Dampfkesseln und Gusseisen, ab 1893 kamen unter anderem Dreschmaschinen, Lokomobile, Rübenschneider, Schrotmühlen und Pressen hinzu. Ab 1935 produzierte das Unternehmen auch Maisdreschmaschinen, im Laufe der Jahre ergänzte ein Mähdrescher mit einem Patent der Firma Raußendorf das Programm.

Nachdem für Deutschland der Erste Weltkrieg verloren war, verschlechterte sich auch die Situation für das Unternehmen. Der Absatz im Ausland brach vollständig zusammen und das deutsche Gebiet stand unter fremder Wirtschaftsverwaltung. Viele hochqualifizierte Mitarbeiter mussten entlassen werden und der Gewinn schrumpfte auf wenige tausend Mark, woraufhin die Stadt Weinheim eine Ausfallbürgschaft in Höhe von 1.000.000 Mark übernahm. Übernahmegespräche mit einem britischen Unternehmen scheiterten an der Weltwirtschaftskrise 1929. Die Nähe zur erfolgreichen Lanz-Landmaschinenfabrik im nur 16 km entfernten Mannheim verschlimmerte womöglich die Lage.

Die Weinheimer Maschinenfabrik Keller & Co. übernahmen einen großen Teil der Hallen und des Geländes und führten die Produktion von landwirtschaftlichen Geräten weiter. Schon 1929 wurde ein Teil der Werkhallen an die Naturin Werke GmbH & Co. verkauft, die auch 118 Mitarbeiter übernahm. Viele weitere Hallen standen vermutlich leer oder wurden übergangsweise von anderen Unternehmen genutzt. So hat Daimler-Benz 1944-1945 kriegsbedingt die Fertigung für den Lizenzbau des Opel-Blitz von Mannheim nach Weinheim verlegt; die Sportabteilung der NSDAP Ortsgruppe Weinheim nutzte 1931 die Hallen und die US-Armee machte kurzzeitig eine Kfz-Werkstatt auf dem Gelände.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Absatzgebiet für Badenia-Maschinen noch weiter geschrumpft, sodass 1954 die Herstellung vollständig eingestellt wurde.

In Schwerin gab es offensichtlich noch ein Zweigwerk der Badenia Werke, in welchem allerdings nur bis 1929 Maschinen hergestellt wurden.